seniorweb.ch, 26. Dezember 2023

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Alles ändert, der TV-Silvester bleibt

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Die Welt dreht sich. Nur die Silvester-Shows am Fernsehen überstehen die Jahrzehnte. Wir haben bei diesem Einerlei nach dem Besonderen gesucht. Der pressanten Leserin, dem eiligen Leser empfehlen wir besonders das erste (1) und das letzte Video (5). Es sind Zeitdokumente.

Glaubt man der Werbung, dann ist Silvester die Nacht der Feiern und Partys. Wirklich? Glaubt man uns Senioren, dann ist Silvester eher die Nacht des Fernsehens. Vielleicht noch der Abend des Schüfelis im Brotteig.

 

Seit der TV-Frühzeit haben sich am Silvester die grossen Spektakel eingebürgert. Die Technik hat sich verändert, von schwarz-weiss zu farbig, vom Röhrenempfänger zum wandfüllenden Plasma-Bildschirm. Die Shows jedoch sind ähnlich geblieben: Tänzerinnen, viel Bein, wenig Textil (Senioren-Slang «Hüpfdohlen»), weiter Sängerinnen, Sänger, Bands, Spiele und ein flappsiger Moderator. Alles gäng wie gäng. Hier präsentieren wir ein paar Ausschnitte, die aus dem Einerlei herausragen oder abfallen.

 

Als erstes muten wir dem Seniorweb-Publikum allerdings einen mentalen Salto zu. Nicht Tingel und Tangel, nicht Glitzer und Glanz. Sondern eine Silvester-Dokumentation, die weit mehr unter die Haut geht als die übliche Pipapowelt: die TV-Übertragung der Silvesternacht 1989/1990 beim Berliner Brandenburger Tor. Westfernsehen war das. Das Ostfernsehen hat ein Jahr vorher noch eine konventionelle Show gezeigt. Wir zeigen, wie die TV-Ossis versuchten mit Pauken und Fanfaren das Knirschen der zerbröckelnden DDR zu übertönen.


 

1. Die Mauer bricht. Im zweiten Teil des Videos bläst und trommelt die DDR zu ihrem eigenen Begräbnis. 1989/90.

Jetzt fahren wir auf unserer Zeitreise zügig rückwärts ins Jahr 1969. Zwei Herren feiern im Deutschen Fernsehen das Jahresende: singend, bleigiessend und tanzend. Wer diese beiden sind, haben wir nicht herausgefunden. Anderes erkennen wir: die toupierten Frisuren, die Minikleider, die Rhythmen. Aus der gleichen Sendung haben wir einen weiteren Ausschnitt herausgepflückt. Er zeigt eine Gruppe von deutschen Bundestagsabgeordneten. Der Witz über die Diäten ist lustig und erinnert an den beleibten Sänger am Anfang des Videos.

 

 

 

2. Deutschland feiert seine fetten Wirtschaftswunderjahre.1969/70.

 

In der deutschen Show von 1977 treffen wir auf einen Bekannten aus unserer Jugend, auf Rudi Carrell. Er sang nicht nur, er moderierte auch. Der TV-Sender sparte damit. Wir bezweifeln, ob das ein Mittel gegen den Kostendruck beim Schweizer Fernsehen wäre. Hierzulande ist kein Moderator, keine Moderatorin zu entdecken, die auch singen kann.

 

 

3. Hoch das Bein, hoch der Zylinder. Rudi Carell kann beides, singen und tanzen.1977/78.

 

Jetzt kehren wir wieder an den Start unserer Serie zurück, zur Politik. Bei der Seniorweb-Leserschaft können wir voraussetzen, dass die beiden Politgrössen bekannt sind. Wir erleben Bundeskanzler Helmuth Schmidt (SPD) und Bayernpolterer Franz Josef Strauss (CSU) in einer Fernseh-Show 1979.

 

 

5. Franz Josef Strauss, «Bayern, Bayern über alles». Helmuth Schmidt, Kanzler und begabter Pianist. 1979/80

 Ich bin schon etwas stolz auf die hier zusammengeschnittenen zwei Ausschnitte. Sie zeigen den Silvesterbeitrag des russischen Fernsehens vor einem Jahr. Sie illustrieren, dass sich manches aus der Sowjet-Vergangenheit gehalten hat, zum Beispiel die Uniformen, die Ordenschwemme und der freudlose Langzeit-Applaus.

 

 

5. Russland heute mit den Attitüden aus der Sowjetzeit. 2022/23