Berner Zeitung, 23.3.2016


Gott ist gut. Zu viel Gott ist schlecht


Kürzlich klingelte eine Dame. Sie reichte mir ein Traktat mit Zeichnungen, denen man ansah, dass Gott pastellfarbene Illustrationen schätzt. Das eng bedruckte Papier enthielt Lebensweisheiten, zum Beispiel, dass Jesus der beste Pilot sei. Die Frau fragte mich, ob ich wisse, dass heute mein letzter Tag sein könnte. Ich verneinte, schloss nicht sehr höflich die Tür und sann darüber nach, was die Frau gesagt hatte.


Wenn das Ableben schon so nahe ist, sollte man nichts dem Zufall überlassen und sich jener Religion anvertrauen, die das beste Angebot macht. Gerade jetzt macht es Sinn darüber nachzudenken: Karfreitag. Und wie jedes Jahr an Ostern wird sich der Papst auch am nächsten Sonntag wieder urbi et orbi medienwirksam in Szene setzen.


Bereits in früheren Jahren hat der Papst sinngemäss gesagt, dass der Glaube Frieden schafft und dass er Gewalt verhindert. Nun kann man dem wirklich sympathischen Herrn gewiss nicht verdenken, dass er sich für seine Institution einsetzt. Er handelt damit gleich wie ein Sportfunktionär, der ebenfalls bloss auf die Segnungen der von ihm vertretenen Leibesertüchtigungen hinweist, und verschweigt, dass diese im Übermass schädlich sind. Ein Ex-Präsident hat genau dies getan. Wie hiess der Walliser doch gleich, der sich auch schon mal mit dem Papst verglichen hat?


Immerhin: Extremer Sport ist längst nicht so schlimm wie extreme Religion.
Die Verherrlichung irgendeiner Spielund Spassart fordert weit weniger Opfer als die Verherrlichung irgendwelcher Gottheiten. Beigefügt: Das gilt auch für Ideologien. Damits griffig wird: Je fanatischer Gott verehrt wird, desto mehr Tote. Das galt bis vor nicht allzu langer Zeit für die Christen, das gilt besonders leidvoll für extreme Muslime. Sogar die als friedfertig geltenden buddhistischen Mönche haben Andersdenkende getötet.


Die Sache mit den Jenseitsaussichten ist gottgegeben sehr vage. Deshalb müssen wir beim Religionsranking beim Diesseits bleiben. Dabei hilft die Verherrlichungsformel: je mehr, desto gefährlicher. Beschränken wir uns auf die Christen, schneiden die Katholiken seit geraumer Zeit gut ab. Der aktuelle Papst verschafft zusätzliche Punkte. Mit einem gewissen Stolz dürfen wir aber vermelden, dass die bei uns heimische reformierte Kirche obenaus schwingt: nicht mal ein Bischof. Sie ist so liberal, dass sie sogar Pfarrerinnen beschäftigt, die so verklausuliert von ihrem Chef, Gott, sprechen, dass sie niemand versteht.


Die Pointe, sie ist allerdings nicht lustig: Keine andere Religion wie die beste Kirche der Welt verliert so viele Mitglieder.