Der Titel verspricht Kritik. Der Autor hält Wort. Er beklagt allerlei Gugus und vielerlei Quatsch.
Natürlich bekunde ich auch gerne, dass es segensreiche Entwicklungen gibt. Kennen Sie Camo? Das ist eine Haftmasse für Kinder. Wenn die lieben Kleinen das
Glibberzeugs in die Hand nehmen, verfärbt es sich, und wenn sie es an die Wand schmeissen, bleibt es dort kleben. Und was meinen Sie zu einer Gabel, die sich
mit elektrischer Kraft dreht, so Spaghetti aufwickelt und damit die Muskeln schont. Es gibt wirklich vieles. Es gibt aber auch wirklich viel zu lachen.

Influencer. Immer wieder, immer mehr sind sie in den Medien. Mal als besonders nette Menschen, mal als besonders abstossende schlechte Vorbilder. Sie
erstreben eine möglichst grosse Gemeinschaft, eine Community. Diese erreichen sie über Instagram, TikTok oder Youtube. Sie wollen ihre Anhänger, ihre Follower,
von Produkten oder Meinungen überzeugen. Finanziert werden sie meist durch Unternehmen, deren Produkte sie anpreisen, je mehr Follower desto mehr Geld erhalten
sie. Viele Influencer gebärden sich als aufgeblasene Hühner oder Güggel. Viele geben sich als beste Freunde/Freundinnen ihrer Anhänger aus und halten sie so
bei Laune.
Chatbots.
Gut sind Chatbots keine realen
Menschen. Wären sie das würde man sie mit Schimpf und Schande fristlos entlassen. Chatbots sind Computerprogramme, die eine Unterhaltung mit Menschen
simulieren. Sie sollen Fragen beantworten und als Schnittstelle zu realen Fachleuten dienen. Das tun sie aber nicht, überhaupt nicht. Dumm wie Bohnenstroh sind
vor allem die unterdessen bereits veralteten Chatbots ohne Unterstützuung durch Künstliche Intelligenz. Diese Chatbots bewirken nur eines, dafür gewaltig:
nämlich Ärger. Die sonst so fortschrittliche Swisscom hat mit Sam einen solch strohdummen Telefonschreck. Versuchen Sies mal, auf die Help-Nummer anrufen
genügt. Keine Gebühren..

Newsletters. Natürlich gibt es auch willkommene Newsletters. Wir hoffen, dass jener von Seniorweb dazu gehört. Doch viel häufiger trudeln
NSW-Newsletter ins Mailfach. NSW steht für «Nicht schon wieder». Kleider, Geldzeugs, Politik-Gebimbel, NGO-Ermahnungen. Erschwerend kommt dazu, dass man die
ungebetenen Besucher kaum mehr los wird. Bei den Netteren genügt es, wenn man auf einen Button klickt. Bei den weniger Netten muss man sich durch ein
viergängiges Menü quälen. Am Schlimmsten sind jene, die ein Passwort verlangen – einen jener vielen Codes, die man nicht gespeichert und längst vergessen
hat.

Kleidergrössen. Ich brauche neue Hosen. Dies nicht, weil die alten kaputt oder eingegangen sind, sondern weil ich zugelegt habe. Damit beginnt ein
Tohuwabohu. Benötige ich 28 kurz oder 57 normal? Soll ichs mit 38/32 versuchen oder XL nehmen? Das Kleidergschürm erfasst auch andere Bereiche. Wieso um
Himmels willen, soll bei den Hemden die Kragenweite entscheiden? Ich habe doch keinen dickeren Hals, sondern einen dickeren Bauch. Und warum korrespondiert die
Bundweite nicht mit der Hemdengrösse? Bund und Bauch sind ja weitgehend identisch. Dem Vernehmen nach, soll bei den Röckli, Kleidli und Blüsli der Frauen der
Wirrwarr ebenso dicht sein.

Taschen auf den Sitzen. Das haben wir doch schon ixmal erlebt. Im vollbesetzten Zug, Bus, Tram belegt ein Rentner den Sitz neben sich mit seinem
Rucksack. Oder die mutig geschminkte Jungmaid gönnt dasselbe ihrer Tasche. Es kommt noch übler: Ein Hündli mit putzigen Pfötli und pinkigem Mänteli versperrt
den Ruheplatz. Zu guter Letzt erobert die Familie aus Dingsda mit ihren vielen Koffern und Taschen das Abteil. Schlimm. Aber dürfen wir den ersten Stein
werfen? Ein Billett, zwei Plätze – dieses Spielchen machen wir doch auch. Nein, Sie nicht? Dann sind Sie der heilige St. Senior, die gütige Sr. Seniora.

Bewertungen. Oje, wie ärgern wir uns über die vielen Anfragen um Bewertungen. Sogar Nervensägen, das Stück zu Fr. 19.95, sollen wir beurteilen. Oder
die Steuerverwaltung benoten. Oder das Amt für Ordnungsbussen qualifizieren. Da fragte mich zum Beispiel das Help-Center einer bekannten Firma nach zwanzig
quälenden telefonischen Warteminuten, was ich von ihrem Service halte. Geantwortet habe ich nicht. Gedacht schon. Die Gedanken sind zwar frei, gehören aber
nicht hierher. Übrigens: Bewerten Sie bitte diesen Artikel auf einer Skala von 1 bis 10. Sie ermöglichen dem Autor seine journalistische Dienstleistung
weiter zu verbessern. Danke.

Höhere Preise. «Wir haben unser Angebot für Sie optimiert.» — «Auf vielfältigen Wunsch unserer Kunden haben wir unsere Konditionen dem Markt
angepasst.» Dies sind Verschleierungen von Preiserhöhungen, Mogelinformationen, legale Täuschungen der Kundschaft. Anders, aber noch dreister hats Coca Cola
2019 mit ihren Packungen gemacht. Das Unternehmen reduzierte bei gleichen Preisen die Flaschengrössen. Und begründete dies mit Argumenten, die so dünn wie
gepanschtes Coci waren. Die krasseste Vernebelung: Kleinere Coci-Portionen seien für die Konsumenten gesünder. Nach massiven Protesten nahm Coca Cola die
redimensionierten Flaschen wieder aus dem Sortiment.
Mieten u
nd schämen. Wie schön, dass bei allen Mietautos wenigstens das Lenkrad, das
Gaspedal und die Bremsen ungefähr am gleichen Ort sind. Wer mit einem Leihfahrzeug unterwegs ist, weiss was Vielfalt ist. Der Blinker, das Licht, die Heizung,
der Schalter für die Scheibenwischer sind mal da mal, mal dort, mal links, mal rechts, mal ganz woanders. Kennen Sie das? Sie fahren mit einem fremdelnden
Mietfahrzeug zu einer Tankstelle. Wie öffnet sich der Tankdeckel? Links vom Sitz? In der Mitte? Ist es ein Touch-Gugus auf dem Display? Hinten wartet ein
kleiner Corso mit pressanten Automobilisten. Da schämt man sich dunkelrot.

Kauderwelsch-Betriebsanleitungen. Zugegeben: In den letzten Jahren sind viele Betriebsanleitungen besser geworden.Die Ikea-Manuals etwa lieferten
früher Stoff für ganze Kabarett-Abende. Das war einmal. Doch immer noch geben Produkte vor allem aus China Rätsel auf. Als Beispiel ein Auszug aus dem Manual
für eine selbstaufblasende Isomatte: «Wenn das Wetter kalt ist, wird die Puffunterlage sich langsam puffen. Entrollen die Puffunterlage und liegen auf ihr,
dann wird sie von der Wärme sich aufpuffen.» Hinter dieser Pufferei steckt eine gewalttätige Übersetzung: Inflation bedeutet englisch aufblasen.

Katzentoiletten–Trainer. Das Ding gibts unter anderem bei Digitex-Galaxus für rund sechzig Franken zu kaufen. Gemäss Beschreibung ist
«Litter Kwitter» ein Set für das Toilettentraining von Katzen. Es soll in drei Schritten dem Tier beibringen, dass es die Toilette zu benutzen hat. Ich bin ein
Katzennarr, aber ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Soll ichs mal so versuchen? «Lueg Büsi, wottsch rot, brun oder grüen sch…?» Gemäss
Ankündigung haben Tierärzte und Katzenzüchter das Ding entwickelt. Doch haben sie auch mein Tigerli gefragt?

Haarzählmaschine. Für Männer mit Glatzen gibts zwar einige Mittel. Sie wirken allerdings kaum. Vorsorge wäre besser als Nachsorge. Präventiv könnte
die Medizin einiges retten. Voraussetzung wäre, dass man das Haarvolumen kennt. Doch auch die gewissenhafteste Coiffeuse kann nicht Haare zählen. Nun ist
Abhilfe da. Eine Schweizer Firma hat das Gerät «Onetwothree» entwickelt. Es zählt und schlägt Behandlungen vor. Das auf Haarprobleme spezialisierte Institut
«Glatz und Gloria» setzt den Apparat bereits erfolgreich ein.
Der Autor listet in diesem Beitrag Unnötiges auf. Bei «Onetwothree» ist er unsicher. Ist es Unfug oder echte Lebenshilfe.
Peter Steiger