Wer sich seine Rente oder einen Teil davon auszahlen lässt, soll umsichtig mit diesem Geld umgehen. Protz ist pfui. Schmallippig aufs kleinste Vergnügen zu verzichten, macht aber auch keinen Spass. Wir sprachen mit Herrn Bhaltisberger und Frau Furtischfurt.
Wie es sich gehört, liessen sich Herr und Frau Steiger vor der Pensionierung von einem Finanzexperten beraten. Sie entschieden sich, 100 000 Franken vom Rentenkapital bar zu beziehen. „Sind Sie dann fähig, wirklich so viel auszugeben, warnte der Fachmann. „Die meisten Rentner sparen dieses Geld für die Erben oder fürs Pflegeheim.“
Das war vor 15 Jahren. Würden wir dem Experten heute wieder begegnen, würden wir ihm sagen: «Lieber Herr Vorsorgespezialist, ja, wir haben das Geld ausgegeben. Nein, die Erben bekommen nichts. Und Langzeitpflege in einem Heim ist so teuer, dass das Vermögen eh nicht lange reichen würde»
Damit ist das alte Ehepaar Steiger ziemlich allein. Der Drang die Zukunft abzusichern ist gross. Die Tierwelt macht es vor. Die Eichhörnchen tuns, die Bären, die Hamster, die Biber, der Polarfuchs. «Spare in der Zeit, so hast du in der Not.» Wirklich, sparen ist gut. Im Alter Geld auszugeben, ist es aber auch. Wir zitieren gerne einen anderen weisen Satz: «In der Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot.» Allerdings: Den Kapitalbezug für eine Luxus-Weltreise auszugeben und dann die EL zu strapazieren, kann ins Auge gehen.
Sparschwein plus. Wenn es überquillt, müssen sich die
Besitzer überlegen, wo sie den Reichtum versorgen wollen.
Sparen ist eine Lebenseinstellung, nicht sparen eine andere. Die meisten fahren mit Sowohl-als-auch am besten. Unbestritten klug ist, wer sein Geld geschickt anlegt. Wenn Steigers ihre 100`000 Franken auf dem Bankkonto schlafen lassen, tut das weh. Wenn sie sich für einen Obligationenfonds entscheiden, schmerzt es etwas weniger, macht aber noch nicht wirklich glücklich. Gut beraten sind sie, wenn sie ihren Hunderttausender einem oder mehreren Aktienfonds anvertrauen. Das tut überhaupt nicht weh, sondern macht gluschtig.
Die Bankberaterinnen und -berater wissen noch mehr. Als erstes empfehlen sie, nicht alles in einen einzigen Topf zu schütten. Der Ausdruck Topf hat sich eingebürgert. Es gibt keine Aktienkübel, Obligationeneimer oder Fondskrüge. Wertpapiere bewahrt man ausschliesslich in Töpfen.
Das folgende Interview ist keine Anlageberatung. Sondern ein Streitgespräch.
Sparschwein minus. Wenn es mal zerbrochen ist, kann man
es kaum mehr flicken.
Das Interview
Herr Bhaltisberger hat zuhause ein Sparschwein plus.
Frau Furtischfurt hat zuhause ein Sparschwein minus.
Was sind die Gründe für das dauerhafte Verwahren unter der Matratze, im Sparkässeli, auf dem Bankkonto oder auf einem Wertschriftendepot? Was spricht andererseits dafür, als lustige Witwe, heiterer Witwer oder als fröhliches Rentnerpaar das Vermögen auszugeben? Wir sprachen mit zwei Experten. Wir befragten Herrn Bhaltisberger und Frau Furtischfurt.
Seniorweb: Herr Bhaltisberger, haben Sie Angst vor der Armut?
Bhaltisberger: Ja, ich habe zwar ein dickes Finanzpolster, aber man weiss ja nie, was kommt.
Seniorweb: Frau Furtischfurt, begreifen Sie die Sorgen des finanziell bestgestellten Herrn
Bhaltisberger?
Furtischfurt: Nein, er erinnert mich an den unendlich reichen Dagobert Duck. Wie dieser ist er so geizig, dass er das Leben
verpasst.
Bhaltisberger: Ich bin nicht geizig, nur vorsichtig. Ich will mir später ein gutes Pflegeheim leisten können.
Furtischfurt: Alle Schweizer Pflegeheime leisten gute Arbeit. Auch wer kein Geld hat, wird nicht auf die Strasse gestellt..
Seniorweb. Wir unterbrechen das Gespräch, servieren Kaffee und zeigen ein paar Fakten auf. Die Heimkosten einschliesslich Unterkunft und Verpflegung bewegen sich zwischen 6000 und 10`000 Franken pro Monat. Zur vollständigen Deckung werden pro Jahr 10 bis 20 Prozent des Vermögens verwendet. Abgezwackt wird bis zu einer Schongrenze von 37`500 Franken für Alleinstehende. Ist dieses Limit erreicht, kommen die Ergänzungsleistungen und das Sozialamt zum Zuge. Selten müssen auch die nächsten Verwandten einspringen.
Bhaltisberger: Das Vermögen ist Familienbesitz. Ich will meinen Wohlstand weitergeben und möchte meinen Hinterbliebenen mit einer Erbschaft das Leben erleichtern.
Furtischfurt: Ihre Töchter und Söhne brauchen Ihr zusammengespartes Geld doch gar nicht. Sie haben, was man halt so hat: Eigentumswohnung, Ferienhaus, schickes Auto. Sie sind ein Helikopter-Übervater, der seinen Nachwuchs ständig unter Kontrolle haben will.
Seniorweb: Frau Furtischfurt, was haben Sie davon, wenn Sie Ihr Geld, pardon, verschwenden?
Furtischfurt: Reisen oder Hobbys bringen eine Erinnerungsrendite, von der man den Rest des Lebens zehrt.
Bhaltisberger: Davon kann niemand was kaufen.
Furtischfurt: Stimmt. Aber bedenken Sie, dass der Nutzen von Geld mit dem Alter abnimmt. Auch wenn Sie wollen, können Sie Ihren Besitz nicht mehr ausgeben. Ihr Radius wird kleiner. Sie können nicht mehr reisen. Sie haben keine Lust mehr auf Hobbies und teure Restaurants.
Seniorweb. Wir bedanken uns für das Gespräch und benützen die Gelegenheit für eine Zusammenfassung. Was haben wir gelernt? Ganz kurz: Sowohl als auch. Bisschen sparen. Bisschen konsumieren.
Sparen oder ausgeben? Beides ein wenig. Das ist konsequent. Konsequent schweizerisch
Peter Steiger