seniorweb.ch, 9. Juni 2026
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Auch das noch! KI lässt Tote auferstehen
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Die verstorbene Grossmutter antwortet auf die Frage nach ihrem Lieblingsrezept. Grossvater gibt Börsentipps. Künstliche Intelligenz schafft täuschend echte Verbindungen zu Toten. Das ist nicht bloss pietätlos. Das ist digitaler Horror.

Mit Chats und Apps eine vermeintliche Verbindung zu Verstorbenen aufnehmen. Künstliche Intelligenz machts möglich. Das ist verblüffend und unheimlich. Das ist vor allem bedrückend und gefährlich. KI schafft mit Fotos, Tondokumenten, Videos und dem virtuell gespeicherten Wissen über die verstorbene Person eine Figur, die so aussieht, sich so bewegt und so spricht wie die Verstorbene. Avatar nennt man diese Figur. Sie reagiert auf Fragen. Die dahingeschiedene Grossmutter wird lebendig, der Grossvater gibt Börsentipps.

Wie alles, was mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat, gibts englische Ausdrücke für diese Botschafter: Sie heissen Deadbots oder Ghostbots. Wir versuchen die Abgründe dieses metaphysischen Geisterbahn auszuloten:
● Wenn wir ständig täuschend echte Kontakte mit Verstorbenen haben, entgeht uns, was der Tod ist, er ist endgültig.
● Wir entwickeln eine viel zu starke Beziehung zum Abbild des Dahingeschiedenen und verlieren den Kontakt zur Realität.
● Wir können nicht mehr erkennen, was real und was uns vorgespielt wird. Das verleitet dazu, dass man uns missbraucht, manipuliert und ausnützt.
● Wir bekommen ein falsches Bild des Verstorbenen. KI stützt sich nicht darauf, was wirklich war, sondern bloss auf das was digital vorhanden ist.
● Der Avatar, das künstliche Abbild, verhöhnt ethische und religiöse Begriffe. Entweder gibt es ein Leben nach dem Tod. Oder es gibt kein Leben nach dem Tod. KI verhindert, dass wir uns mit dieser Frage auseinandersetzen.

Das sind wohlgesetzte Sätze. Sie verschleiern, um was es wirklich geht. Mit KI die Toten weiterleben zu lassen ist grober Unfug und hochgradig gefährlich. KI beschmutzt die Würde des Lebens und des Todes.

 

Die verstorbene Grossmutter kommt ins Wohnzimmer. Dank künstlicher Intelligenz beantwortet sie Fragen, spricht, und bewegt sie sich wie die Dahingeschiedene.

 

Die dahingeschiedene Grossmutter erscheint überlebensgross zuhause am Plasma-Bildschirm. Sie spricht wie früher, sie lächelt wie früher. Sie antwortet auf die Frage, was sie gerne isst, was sie am letzten Geburtstag gesagt hat. Sie gibt, ungefragt wie früher, Ratschläge zur Kindererziehung und zum Speiseplan. Das ist digitaler Horror.

Ich finde es schlecht, mit Hilfe von KI eine vermeintliche Verbindung zu Verstorbenene aufzubauen. Trotzdem liste ich hier eine Zusammenstellung von Links für Online-Möglichkeiten auf.

You, online virtual bietet viele Möglichkeiten, ist aber recht kompliziert, nur englisch.

Project December ist ein umstrittenes Tool, das 
Afterlive sehr weit verwirklicht. Der Initiant Jason Rohrer sucht auch Investoren mit Kleinbeträgen. Wer Risiko, digital oder finanziell liebt, findet hier ein Spielwiese. Nur englisch.

Deevid gibt es auch als deutsche Version. Geht nicht ganz so weit wie andere Tools. Sucht und erstellt Videos, Audios und macht Fotobearbeitungen von Verstorbenen. Zum Ausprobieren geeignet. Erzeugt aber nach wenigen Schritten Kosten.

My Heritage erstellt Stammbäume mit Dokumenten, Videos usw. Realisiert aber keine eigentlichen Avatare von Verstorbenen. Kein übetriebenes gefährliches Geflunker. Gute Bewertung auf Trustpilot Auch auf deutsch