Wie beurteilen Sie zwanzig Warteminuten? Bewertungen sind Nervensägen. Zum Beispiel: Das Help-Center einer Firma fragt mich nach zwanzig quälenden telefonischen Warteminuten, wie ich den Service beurteile. Antwort: 🪚💥
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Wie gefällt ihnen die Farbe der Verpackung? Ich bestelle online ein Hemd. Bereits beim Suchen ploppt es auf: Wie finden Sie unsere Vorschläge? – Gut? Noch besser? Genial? Nachdem ich bezahlt habe: Wie beurteilen Sie unser Bestellsystem? Dann soll ich den Lieferdienst, den Überbringer, die Verpackung und die Griffigkeit des Kartons beurteilen. Kaum habe ich das Hemd probiert, muss ich den Stoff, den Schnitt, die Masse und den Wohlfühlfaktor einordnen.
Helfen Sie uns, bitte, bitte. Bin ich ein Bewertungsverweigerer kommt nach ein paar Tagen ein aufwühlendes Mail vom Online-Händler: «Bitte geschätzter Herr Steiger, nur dank Ihrem Feedback können wir unsere Dienstleistungen weiter optimieren. Unsere Kundschaft ist auf Sie angewiesen. Bitte, bitte, beanworten Sie unsere 42 Fragen. Als Dankeschön erhalten Sie den extra für Sie handgefertigten Smartphone-Halter in Form eines Mini-Liegestuhls.
Werden Sie uns Ihren Freunden empfehlen? Manche sind versessen auf Feedback.
● Zum Beispiel Online-Händler: Was hat der Bestellvorgang bei Ihnen
ausgelöst?
Ehrliche Antwort: Einen Streit mit der Lebens- und/oder Ehepartnerin.
● Restaurants: Wie war der Service?
Ehrliche Antwort: Ich merkte, dass ich für das Personal unsichtbar bin.
● Help-Center: Wie lange mussten Sie am Telefon warten?
Ehrliche
Antwort: Ich weiss nun, wie sich ewiges Leben anfühlt.
● Handwerker: Werden Sie uns Ihren Freunden empfehlen?
Ehrliche Antwort: Wenn ichs täte, hätte ich keine Freunde mehr.
Ja, ja, beim Hotelbuchen hilfreich. Es lässt sich trefflich schimpfen über die Bewertungslust vieler Firmen und Institutionen. Wir müssen aber auch zugeben, dass uns die Bewertungen auch schon geholfen haben. Beim Buchen der Ferienwohnung, beim Reservieren eines Hotelzimmers, beim Durchleuchten eines windigen Finanzgauners. Hilfreich sind einigermassen unabhängige Portale. Google (ja, ich weiss), Tripadvisor, Trustpilot. Die Hinweise der Portale sind immerhin wertvoller als die oft manipulierten Feedbacks auf den Webseiten der Firmen.
Heitere Inkompetenz. Google- oder Tipadvisor-Bewertungen für touristische Sehenswürdigkeiten sind eine ergiebige Quelle für Heiterkeit. Ich habe ein paar Beurteilungen für den touristischen Hotspot Luzern herausgepflückt.
Peter Steiger

