seniorweb.ch, 23. September 2020


Ich will keine lockere Bank

Die CS bietet ihren Kunden jetzt das Du an. Die Bank will damit lockerer werden. Ich will aber keine lockere Bank. Ich will, dass die Damen und Herren des Geldinstituts freundlich und kompetent sind. Früher gabs Schalterbeamte, jawohl Beamte, alles Männer, die Frauen waren Sekretärinnen, und wie hiess das doch gleich, Stenotypistinnen. War auch nicht so toll. Aber „Hi, Pesche willst du in einen ETF mit Gap investieren“, nein das bringts nicht.

Das mit dem Du ist so eine Sache. Früher, als Jungrentner, da war ich fit. Nein, nicht wie ein Turnschuh, sondern wie ein Federball und ungefähr gleich schwer. Eben, so richtig neudeutsch taff. Und drum empfindlich wie ein Pupertierender auf alles was nach Rücksicht aussah. Zum Beispiel, wenn ich in ein Szenenlokal ging, wo das Dududu in aller Gäste Munde war, mich die junge Servier-Studentin kurz ansah und dann fragte: „Was weid-dr?“ Da musste ich tief durchatmen und mein Ich-bleibe-freundlich-auch-wenn-ich-muff-bin-Gesicht aufsetzen. Selber gschuld, wenn das Trinkgeld schmürzelig ausfiel.

Oder, schlimmer noch, im vollbesetzten Bus, der Jungmann mit der Sporttasche: „Weid-dr hocke?“ Hätte ich doch nur meine Pokal-Medaillen-Urkunden-Sammlung dabei gehabt. Hatte ich nicht, wäre auch peinlich gewesen. So bliebs beim knappen „nein, danke“.

Und heute? Heute nehme ich als Ü70 das Sie als verbalen Knicks der immer noch jungen Studentin in der Szenenbeiz gerne an. Heute geniesse ich das Sitzplatzangebot des Sportsmanns, der Rücken dankt. Hä ja, irgendwann wächst man aus dem Hipster-Alter heraus. Irgendwann braucht man im Restaurant keine Gleichstellungsbegrüssung mehr, sondern nur noch ein Bier. Und ganz sicher braucht man keinen Bank-Schnösel: „Hi, kännsch d’Performance vo AFL-Global-Equities?“