Uraufgeführt Sommer 2009, Freilichttheater Moosegg, Regie Peter Leu

 

WURST WIDER WURST

 

Frei nach Jeremias Gotthelf von Peter Steiger

 

 

Zeit und Ort

Vorspiel in der Gegenwart. Dann unbestimmte Gotthelf-Zeit, ca. 1850

Rechts:Gartenwirtschaft des Gasthauses zum «Gschäckete Aff» in Hingerrückslige (Männerwelt).

Links:Hofplatz des «Gschäcketen Affs» (Frouenwelt).

Dazwischen: Mauer mit Türe. Drei bis fünf Meter über dem Boden ein Fenster oder ein Loch in der Wand.

Vorne, Mitte: Die Mauer endet einige Meter vor dem Bühnenrand und ermöglicht so eine Spielfläche zwischen den beiden Welten.

 

Rollen

 Balz. 20- bis 35-jährig. Verlobter von Bäbe. Gutmütig, unentschlossen.

Bäbe. 20 bis 35. Verlobte von Balz. Aggressiv, kräftig, nervig.

Resu: 30 bis 60. Stines Mann. Meinungsmacher der Männergruppe. Selbstsicher, dominant, gibt sich weltgewandt.

Miggu, 20 bis 40. Trudis Mann. Gegenspieler von Balz. Agil, verschlagen.

Steffen. 30 bis 60. Vrenis Mann. Schwelgt in Militär-Erinnerungen.

Chlöisu. 30 bis 60. Annekäthis Mann. Stottert.

Housi. 30 bis 60. Elisis Mann. Mitläufer.

Rüedu. 30 bis 60. Chacheliverkäufer. Wichtigtuer, grossspurig, dümmlich, Schnell-  und Vielsprecher. Redet oft in der 3. Person von sich.

Marei. 30 bis 60. Wirtin. Geschäftstüchtig, zielstrebig.

Stine. 20 bis 40. Resus Frau. Gegenspielerin von Bäbe. Laut, schnell, streitsüchtig.

Trudi. 20 bis 40. Miggus Frau. Etepetete, naserümpfend, spricht gerne französisch.

Elisi. 30 bis 60. Housis Frau. Bauern-Vamp.

Vreni. 30 bis 60. Steffens Frau. Windfahne, will nichts falsch machen.

Annekäthi. 30 bis 60. Chlöisus Frau. Ist hinter dem Geld her. 

Pfarrer. 40 bis 70. Überzeugt und überzeugend.

Vorspiel (können als Doppelrollen besetzt werden)

Disponent

Maurer 1

Maurer 2

Maurer 3 (mit italienischem Akzent)


 

VORSPIEL

     

 Moderne Bauarbeiter beenden eine Mauer zwischen der Männer- und Frauenwelt. Eine Baumaschine lärmt. 

 

Disponent (kommt von aussen, schreit): He … He.

 

Maurer 1: Hä?

 

Disponent: He … Schtell das Ding ab … Abschtelle.

 

Maurer 1: Hä?

 

Disponent: Du söusch … (stellt Maschine ab).

 

Maurer 2: Geits no. Mir si voll im Schtress (stellt Maschine wieder an).

 

Disponent: Los doch zue (stellt ab).

 

Maurer 3: Macke nüd, macke Pause.

 

Maurer 1: Lass dä Seich. Mir söttid scho längscht fertig si. 

 

Disponent: Nei. Ihr söllid i ds (aktuelle bekannte Baustelle). Sofort. Dä Chef häts gseit. Das da hie cha warte.

 

Maurer 2: Schpinnsch. Dä Chef cha-mir doch.

 

Disponent: Nei. Jetzt. Sofort. Verschteisch.

 

Maurer 3: Macke gar nüd. Bi-n-i bitzeli gliner däheime.

 

Maurer 1: Plane, hä? Organisiere, hä? Okay, okay, höre-mer halt uf.

 

Die Maurer suchen ihr Werkzeug zusammen.

 

Disponent: Pressieret, bisseguet, mir söttid.

 

Maurer 2: Weisch was? Söll sich doch dä Chef siner Plän irgendwo icheschtecke.

 

Disponent: Cha doch nüd derfür … Was git das überhaupt?

 

Maurer 1: Gsehsch-äs ja, ä Muur.

 

Angstellter: Scho, aber hie, im Theater?

 

Maurer 2: Ä Muur i-m-ene Theater, was git das ächt?

 

Maurer 3: Bitzeli kompliziert.

 

Maurer 2: Ä Theater-Muur, du Möngi.

 

Disponent: Ä moderni Muur? S’isch doch Gotthelf.

 

Maurer 2: Moderne Gotthelf, bisch eigetli alzi oder was?

 

Maurer 1: Also dert, wo du jetz schtahsch, das isch für d’Froue.

 

Disponent: Hä, für d’Froue?

 

Maurer 1: Ja, für d’Froue. U uf dä angere Site vor Muur, dert, wo-n-er isch (anderer Maurer), dert si d’Manne.

 

Disponent: Quatsch, git doch kei, äh, Bedürfnisaschtalt.

 

Maurer 1: Nein, dermit wei die vom Theater zeige, dass d’Froue nüd wüsset über d’Manne, u d’Manne kei Ahnig hei vo Froue.

 

Disponent: Aha.

 

Maurer 3: Bitzeli kompliziert, capisch?

 

Maurer 2: Moderne Gotthelf, ha-ders ja gseit. D’Froue si hingerem Mond.

 

Maurer 1: U d’Manne hingerem Mars.

 

Disponent: Chömid jetz, bisseguet.

 

Die Männer gehen ab.

 

Maurer 2: U säg em Chef, wä-mir so lausig würde muure, wie-n-er tuet plane, gäb er üs än Tritt i-n-Arsch.

 

Maurer 1: Die einte überlege, was sie tüe, dem seit me schaffe.

 

Disponent: Chömid jetz äntli.

 

Maurer 1: U di angere tüe wurschte, eifach wider wurschte.

 

Maurer 3: Macke nüd. Macke-n-i bitzeli früecher Fyrabig.

 

Alle ab.


 

1. AKT

 

Szene 1

 

 Mitte. Balz und Bäbe schauen sich verliebt in die Augen. Sie küssen sich. Dann nimmt Balz seine Jacke von einem Tisch oder Stuhl und enthüllt so ein mit Blumen gefülltes Füllhorn

 

Balz: Für di, Bäbe.

 

Bäbe: Oh Balz.

 

Balz: I has bim Hornusse gwunne. I schänke’s dir. 

 

Bäbe: Oh Balz.

 

Die beiden küssen sich wieder. Hinten eilt eine Frau durchs Set. Balz schaut auf.  Völlig überraschend knallt ihm Bäbe eine Ohrfeige.

 

Balz: Bäbe!

 

Bäbe: I ha’s gseh.

 

Balz: Bäbe.

 

Bäbe: I ha’s gseh. Du häsch Schlapbachs Vroni nache-gaffet.

 

Balz: Bäbe, i ha …

 

Bäbe: … Doch, du häsch. Dert hinge isch’s düre-glofe u du häsch Auge gross wie Schpiegeleier gmacht.

 

Balz: Bäbe, los, i ha …

 

Bäbe: … Gäng wänn ä Wiberrock uftaucht, ginggisch us, wie Bütikofers Muni, wänn äs Chueli uf d’Weid chunt, gäng häsch du …

 

Balz: … Bäbe, jetz isch gnue. 

 

Bäbe: Bisch ä rammlige Chüngu.

 

Balz: Fertig, Schluss.

 

Bäbe: Ä giggerige Güggu.  

 

Balz: So, jetz häsch gnue Mischt zöpflet. Alls erschtunke u erloge.

 

Bäbe: Gäng machsch Schtil-Auge, wänn nöimed äs Meitschi …

 

Balz: … Fertig, ifersüchtigs Wibergwäsch, jalous bisch, wäg nüd u widernüd.

 

Bäbe: Balz, du häsch …

 

Balz: … Wäg nüd u abernüd. Nimm di doch sälber ar Nase. So-n-es hofartigs Frouezimmer hät gwüss kei Grund, mi i ds Gülleloch z’schtungge.

 

Bäbe: Pass uf, du …

 

Balz: … Hofartigs Frouezimmer, jawoll. Wirfsch s’Gäld zum Feischter us, gheisch-äs dur ds Schüür-Tor uf d’Gass.

 

Bäbe: Pass uf, du verbischterete Plagöri.

 

Balz: Allpott laufsch zum Chrämer u holsch-dr Plunder und goldig Nüteli.

 

Bäbe: Du hingerrückslige Braschti, du uflätige Schwabli.

 

Balz: Chacheli und Täller chaufsch, dass nümm weisch, wohäre dermit. So eini bisch, jawoll.

 

Bäbe: Ä-n-ulidige Bhaupti bisch, ä-n-uflätige Gorpsi.

 

Bäbe geht ab.

 

Balz: Anke-Häfe u Nidle-Chrüeg häsch, dass d’Schaft-Tüür nümm zue-geit.

 

Balz geht ab.

 

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