Als Freilichtstück konzipiert. Fertig, aber noch nicht aufgeführt. Bearbeitet auch drinnen möglich.

 

FRIDE, SUSCH TÄTSCHTS

 

Max Daetwyler – Boulevardprophet und Friedensapostel

 

Von Peter Steiger

 

Zeit und Ort

1914 bis 1965 mit 7 Zeitsprüngen Platz Garten Strasse, Weg Podest

 

Rollen

 

Einzelrollen

Max Daetwyler Wird im Laufe des Stücks älter, 28 bis ca. 80-jährig Ein eher schlauer als gescheiter Mann, nicht intellektuell. Reagiert emotional bis zur Unbeherrschtheit. Ist rechthaberisch, stur, aber auch witzig. Als Teil seiner Entwicklung zweifelt er zusehends an sich und an seiner Idee. Egozentrisch. Ein schillernde Figur, die durch ihre Besessenheit auch nervt. Eitel. Mit grosser Gebärde. Schnell, «gädderig».

Clara Brechtbühl(-Daetwyler) Wechselndes Alter, 28 bis ca.75-jährig Sie bewundert Daetwyler zwar, doch mischt sich in diese Bewunderung immer mehr Kritik. Im Laufe des Stücks gewinnt ihre Figur Stärke und Selbstsicherheit. Gleichzeitig resigniert sie aber immer mehr. Behäbiger, überlegter als Daetwyler. Keinesfalls aber phlegmatisch, sondern stets hellwach.

Anna, Tochter von Clärli und Max Daetwyler, ca. 13-jährig

Franz, Sohn der beiden, 8-jährig

 

Mehrfachrollen

Mindestens 5 Kinder, verschiedenen Alters Vater (beim Defilée), Defiléebesucherin, 3 Defiléebesucher Frau, Mann und Betrunkener im Restaurant Rathaus Oberst, Leutnant, Soldaten 2 Plakatierer Demonstrantinnen und Demonstranten Mehrere Flanierer Priester, Prozessions-Chor Schweizer Polizisten Psychiatrie-Wärter Nazi-Gröhler Deutsche Polizisten Pöstler Tessiner Grenzwächter Psychiatrie-Pflegerinnen Soldaten, Zivilisten, Flüchtlinge für Zeitsprung 1933/45 Männlicher oder weiblicher Filmstar, wartende Leute in New York Sowjetischer Offizier, Russisch-Übersetzerin 2 Zivilpolizisten (Fichenpolizisten)

 

Szene 1

1960 Platz Defilée-Besucher warten auf eine Parade der Schweizer Armee.

 

KIND: Wänn chömid d’Soldate?

VATER: Gli.

BESUCHER 1: Die mechanisierti Division 17, s’Artillerieregimänt 9 mit dä nöie Fäldhaubitze 59 …

BESUCHERIN: … dert isch üse Sohn derbi, bim Artillerieregimänt 9, nach-äm Defilé chunt er hei.

BESUCHER 2: I ghöre-n-öppis, si chömid.

KIND: Wo, wo? I gseh-n-nüd.

BESUCHER 1: Villich muess er bald wider gha, öire Sohn. S’gsieht schtrub us. D’Russe.

BESUCHERIN: Säget nüd. BESUCHER 2: In Kuba hei-si Ragete, Atomragete. BESUCHER 1: In Oschtdütschland au, 800 Kilometer vo hie.

KIND: Hei-sie au Ross, säg?

VATER: Was? Ja, ja, glaub scho … Wänns losgaht mit äm Atom, guet Nacht am Sächsi.

BESUCHER 2: Wänn d’Russe d’Ragete schicket, chöi-mer zämepacke. Wäg-em Atom.

VATER: U d’Armee cha d’Löffel abgäh.

KIND: Was für Löffel, säg Papi.

VATER: Was? … Löffel eifach, Ässlöffel … Gäg-es Atom cha d’Armee zämepacke. BESUCHER 3: Nei. Äbe nid! Mä cha sich schütze gägs Atom.

VATER: Chabis. BESUCHER 3: Moll. Im Zivilschutz hei-sis zeigt.

VATER: Chabis.

BESUCHER 3: Moll. (machts vor) Gäg da Atomschtaub tuet mer d’Hosebei u d’Ärmel zämebinde. Zum Bischpil mit dä Schuebändel … All Chnöpf zuetue … U wänns explodiert ä Mappe über-em Chopf u abehure.

VATER: Huere Chabis.

BESUCHERIN: I gseh-n-öppis.

BESUCHER 2: Wo?

BESUCHERIN: Dert … Das isch doch … Daetwyler mit weisser Fahne nähert sich und geht stumm wieder ab.

VATER: Dä Dätwyler.

KIND: I wott au luege, lupf-mi ufe.

VATER: Dä wo gäg dä Chrieg isch.

BESUCHER 2: Dä Friedensaposchtel, dä Schpinn-Siech.

BESUCHER 3: Än Defätischt. Sertig hei-si gärn z’Moskau.

VATER: Ä schture Bock, das scho. Aber eine, wo sich isetzt für sini Meinig. BESUCHER 3: Seich. Dä tuet d’Schwiz a d’Russe verrate. Sertig sött-mer … (zu Daetwyler) He Daetwyler! Moskau eifach!

KIND: Wieso eifach?

VATER: Will … will …Lueg dert chöme d’Soldate. Vo hie äne gseh-mers no besser. Chumm.