Berner Zeitung, 26. September 2017


Hund und Handtäschli versichern


Schaden zu erleiden, das schmerzt. Das Mittel dagegen sind Versicherungen. Die Institute versprechen, bei fast jeder Situation zu helfen. Längst nicht alle Policen sind sinnvoll.

Wir Schweizer sind gerne und auch mal gegen seltene Risiken versichert. Die absonderlichsten Auswüchse gedeihen allerdings im Ausland. Fussballstar Ronaldo hat seine Beine für 153 Millionen Franken versichert. Der Po der Sängerin Jennifer Lopez ist 21 Millionen Franken wert.


Neben Promispezialitäten gibt es auch Verträge für alle, für Eltern etwa. Sie können eine Mehrfachgeburten-Versicherung abschliessen. Diese übernimmt die Zusatzkosten bei Zwillingen, Drillingen oder gar Vierlingen. Pechvögel sind mit einer Lottoversicherung gut bedient. Sie zahlt, wenn der Spieler bloss eine einzige Zahl richtig ankreuzt.


Weil all diese Angebote nur im Ausland zu haben sind, können Schweizer Eltern oder Lottospieler nicht von diesen Segnungen profitieren. Internationale Regelungen schreiben vor, dass die Versicherungsinstitute nur Verträge mit hiesigen Bewohnern abschliessen dürfen. Doch gibt es auch bei uns Angebote mit zweifelhaftem Wert. Ruedi Ursenbacher vom Beratungsunternehmen Fairsicherung beurteilt eine Auswahl solcher Produkte.


Hochzeitsversicherung. Alles da: Das Paar, die Verträge für das Hochzeitsfest. Dann der Hammer: Die zwei trennen sich. Wird eine Hochzeitsversicherung wenigstens den finanziellen Schaden übernehmen?
Ruedi Ursenbacher (RU): Sie funktioniert wie eine Annulationskostenversicherung und zahlt nur bei eingegrenzten Schadenfällen: Todesfall in der nahen Verwandtschaft, Unfall, schwere Krankheit. Wenn die Verbindung auseinandergeht, fliesst kein Geld. Nicht zu empfehlen. Zurich-Versicherung, 76 Franken.


Handyversicherung. Das Gerät zu verlieren, schmerzt. Auch finanziell. Der Besitzer muss ein neues Handy kaufen oder zwei Verträge bedienen: sowohl den alten wie auch den neuen. Die Versicherung zahlt in beiden Fällen und bei Beschädigungen.
RU: Für Leute, die knapp bei Kasse sind, kann eine Police Sinn machen. Wer das Handy über einen Vertrag finanziert, profitiert am meisten, wenn er das Gerät zu Beginn der Laufzeit verliert. Handyversicherungen sind leicht zu missbrauchen. Weil die Versicherer dies berücksichtigen, sind die Prämien relativ teuer. Fast alle Handy- und Aboanbieter, ab 10 Franken im Monat.
«Die Hochzeitsversicherung zahlt nichts, wenn Braut oder der Bräutigam Nein sagen.»Experte Ruedi Ursenbacher


Tierkrankenkasse. Mäxu, der Kinder liebende Golden Retriever lahmt. Schnurrli, der rauflustige Kater, terrorisiert das Quartier. Mäxu erhält eine Hüftprothese, Schnurrli eine Kastration. Der Hund kostet 5000 Franken, Schnurrli 100 Franken.
RU: Wenn Mäxu erst nach dem Abschluss der Police erkrankt, ist die Operation gedeckt. Für Schnurrlis Kastration fliesst kein Geld. Die Leistungen der Tierkrankenkasse sind begrenzt. Ausgeschlossen sind unter anderem Bisswunden und Trächtigkeit. Eine Police könnte höchstens für besonders wertvolle Tiere sinnvoll sein, etwa für ein Concours-Pferd. Unsere Familie hat einen Hund und zwei Katzen, aber keine Tier-Krankenkasse. Verschiedene Anbieter, ab 18 Franken im Monat.


Handtäschli-Versicherung. Die Tasche ist fashionable, der Inhalt topteuer. Und jetzt ist sie weg, liegen gelassen im Café, vielleicht auch gestohlen.
RU: Weil die Hausratversicherung im Wesentlichen die gleichen Leistungen bietet, ist für die meisten diese Versicherung überflüssig. Bei Täschli- wie Hausratversicherung nicht gedeckt sind unter anderem Bargeld und Schmuck. Kein Geld darf erwarten, wer die Tasche verliert. Verschiedene Anbieter, ab 40 Franken im Jahr.


Online- und Kaufschutzbrief. Der Kauf im Internet war günstig und mit der Kreditkarte schnell bezahlt. Doch das Schnäppchen erweist sich als Betrug und trifft nie zu Hause ein. Zu Schaden kommt auch, wessen persönliche intime Fotos im Internet auftauchen. Ein Schutzbrief verspricht, diese Gefahren abzuwenden.
RU: Diese Police ist unnötig, weil die Risiken anderweitig abgedeckt sind. Bei Kreditkartendelikten haftet die Kreditkartenfirma. Andere Schäden sind zwar real, lassen sich aber nicht versichern, Bildermissbrauch etwa. Allianz, circa 40 Franken im Jahr.


Wohnschutzbrief. Die Schlüssel sind unauffindbar. Die WC-Spülung lässt sich nicht mehr ab-, der Fernseher nicht mehr anstellen. Nun müssen Fachleute her. Der Wohnschutzbrief übernimmt diese und andere Kosten.
RU: Diese Schäden können heute bei vielen Hausratversicherungen eingeschlossen werden, als Einzelversicherung nicht sinnvoll. Allianz, circa 20 Franken im Jahr.


Brillenversicherung. Optikerketten und Krankenkassen bieten Versicherungen an, die Beschädigungen, aber nicht den Verlust abdecken.
RU: Nicht zu empfehlen: Der Selbstbehalt ist recht hoch, und die Prämien übersteigen bald den möglichen Nutzen. Verschiedene Anbieter, circa 50 Franken im Jahr.