Berner Zeitung, 22. Januar 2018


Ich furze, also bin ich


Ich furze...», das ist ein ziemlich blöder Titel. Aber es ist auch ein ziemlich guter Titel. Weil er genau darauf hinweist, um was es geht: um die Peinlichkeit.


Zuerst der theoretische Teil: Dem Menschen stehen zweierlei Äusserungen zur Verfügung: akzeptierte und verfemte. Gebilligt sind unter anderem Reden, Schreiben, Singen. Unerwünscht sind etwa Niesen, Husten und eben Furzen. Beim Niesen reagieren Gutmeinende mit Gesundheitswünschen. Beim Furzen, das ja auch befreiende Wirkung hat, ist das nicht gängig. Zu überlegen ist doch: Wenn der Weltenlenker uns mit so trefflichen Fertigkeiten wie dem Sprechen gesegnet hat, wieso verteufeln wir seine weiteren Ga-ben, wie etwa die Möglichkeit, den Stoffwechsel tonal zu hinterlegen? In der Praxis sind Blähungen bloss eines: peinlich.


Jetzt der filmgeschichtliche Teil: In Charlie Chaplins letztem Film, «Die Gräfin von Hongkong», 1967, teilen sich Marlon Brando und Sophia Loren eine Schiffskabine. Trotz dringendem Bedarf will keiner die gemeinsame Toilette benützen, weil der andere die dabei zwangsläufig entstehenden Geräusche hören würde. Das ist recht lustig, auch weil die Loren eher wegen ihrer Ausbuchtungen als durch ihre Ausscheidungen bekannt war.


Und nun der persönliche Teil: Der Mensch ist Mensch, weil er peinlich sein kann, weil jeder irgendwann peinlich ist. Bei mir geschah es, unter anderem als mich die Garderobiere im Theater darauf hinwies, dass mein Hemd aus dem Hosenladen hervorragte. Oder als ich vor vielen Jahren eben erst ein paar Klarinettenstunden hinter mir hatte. Weil in einer Band der Klarinettist erkrankt war, sollte ich als Ersatz einspringen. Das Konzert hatte kaum begonnen, als mich der Bandleader beiseitenahm. Ich solle doch bloss so tun als ob und bitte, bitte keinen Ton mehr von mir geben.


Das sind recht harmlose Ausrutscher. Seine wirklich schlimmen Misstritte in die wirklich grossen Fettnäpfe verschweigt der Kolumnist. Wär ja peinlich