Berner Zeitung, 8. Januar 2018

Warum vegane Scampi nicht Vampi heissen


In Berlin war ich in einer erst vor kurzem eröffneten Vetzgerei, einer veganen Metzgerei. Der Vetzger, die Vetzgerin, verarbeitet nicht unschuldige Tiere, sondern sündhaftes Seitan aus Weizeneiweiss.


Im Laden sah es fast gleich aus wie in einer Metzgerei: Aufschnitt, Würste, Frikadellen. Bloss dieser aus konventionellen Läden bekannte Irgendwiegeruch fehlte. Der junge Vetzger präsentierte sogar ein Festtagsmenü, einen Seitanbraten, 20 Euro das Kilo. Der sah ganz manierlich aus, halt wie ein Rindsbraten.


Eingefleischte Veganer wollen zwar Tiere und deren Produkte schonen. Aber es soll sich bitte schön so präsentieren, wie der Metzger, die Nahrungsmittelindustrie oder unsere Gewohnheiten es wollen, nämlich wie Fleisch. Drum sieht eine vegane Salami so aus wie die von Citterio und schmeckt (ungefähr) so. Und die Würste heissen nicht Rollen, Stäbe oder weiss der Kuckuck wie, sondern im offiziellen Vegandeutsch Vürste. Bei den veganen Scampi (gibt es wirklich) haben die Wortschöpfer allerdings keinen neuen Namen erfunden. Mit gutem Grund. Vampi klingt missverständlich und überhaupt nicht vegan.


Offenbar fällt es den Fleischlosen schwer, ganz dem Fleisch zu entsagen. Deshalb müssen wenigstens der Name und das Aussehen daran erinnern. Ebenfalls nicht verzichten können manche auf den Anspruch, bessere Menschen zu sein. Um dies auch abseits der Nahrungsaufnahme zu verdeutlichen, hat die Vegan Society ihren Anhängern vorgeschlagen, ein V zwischen Vorund Nachname zu setzen. Bei ihrem Ringen um eine bessere Welt müssen die Tierschützer allerdings hinnehmen, dass sie unrühmliche Vorkämpfer hatten. Als eine ihrer ersten Handlungen erliessen die Nazis unter Vegetarier Hitler 1933 das damals strikteste Tierschutzgesetz.


Mit der Nazikeule die Veganer zu diskreditieren ist unfair. Aber ein bisschen seltsam ist die Szene schon. In der Berliner Vetzgerei gab es lauteres pures Mineralwasser zu kaufen, angeschrieben als Biowasser.