Berner Zeitung, 6. März 2017

Schlau-Food: Die Pilzdiät


Am vergangenen Mittwoch fuhr ich mit dem Zug von Bern nach Zürich. Es war der IC 829, Bern ab 8.02 Uhr, Zürich an 8.58 Uhr. Das ist wichtig, weil es zeigt, wie präzis dieser Text ist. Neben mir sass ein dicker Mann, ein sehr dicker Mann. Kurz nach Mattstetten begann er Chips zu essen, Jumpys Sour Cream. Das freute mich. Denn er hätte auch Wave Inferno Extra Crunchy verspeisen können. Die knacken noch viel lauter. Oder Kebab mit allem. Das riecht noch viel penetranter.


Gern hätte ich dem Mann gesagt, dass ich mich freue, weil er weder Wave Inferno noch Kebab isst. Ich liess es bleiben. Auch Folgendes sagte ich nicht: «Lieber Herr, es bedrückt mich schon, dass Sie so dick sind. Besonders bedrückt es mich hier im Doppelstockwagen IC2000 Typ B mit Economysitzbreiten.» Dann hätte ich dem Mann etwas über Pilze erzählt.
Pilze, hätte ich ihm erklärt, eignen sich vorzüglich für eine Diät. Sie haben wenig Kalorien, bloss 15 pro 100 Gramm. Und sie sind so schwer verdaulich, dass der körperliche Aufwand fürs Pilzessen eine arge Schufterei ist. Wer Pilze kaut, schluckt, verdaut und, was übrig ist, wieder ausscheidet, verbraucht mehr Kalorien, als er mit den Pilzen zu sich nimmt. Manche Experten sehen das zwar anders. Aber wir nehmen mal an, dass dieses Minus bei 5 Kalorien pro 100 Gramm liegt.


«Werter Herr», hätte ich zu meinem Gegenüber gesagt. «Ich empfehle Ihnen eine kombinierte Diät mit Jumpys Sour Cream und Pilzen. Die geht so: Der Inhalt der Tüte, die Sie in der Hand halten, ist 100 Gramm schwer. Wenn das Raschelsäcklein ratzebutz leer ist, haben Sie satte 481 Kalorien zu sich genommen. Gehen Sie doch nach der Ankunft in Zürich flugs in die Migros im Hauptbahnhof, und kaufen Sie 9,6 Kilo Champignons. Mit jedem Kilo verlieren Sie 50 Kalorien. Wenn Sie alles verfuttert haben, sind Sie wieder im Gleichgewicht.»


All dies hat er nicht zu hören bekommen. Deshalb hat er auch nicht geantwortet. Schade. Seine Replik hätte mich nämlich beeindruckt. «Sehr verehrter dünner Mensch», hätte er gesagt, «Ihre zweiteilige Diät aus Jumpys und Pilzen ist ja schon gut und recht. Ich will sie auch beherzigen. Aber wenn Sie gestatten, werde ich mich auf den ersten Teil beschränken.»


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