Berner Zeitung, 24. Juli 2017

Achtung: Warnungen sind gefährlich


Im Handbuch zu unserem VW steht «Lesen und beachten Sie zuerst die Sicherheits-Informationen». Diese Warnung wäre ja eigentlich vernünftig. Weil sie vor jedem, wirklich jedem Hinweis kommt, also gefühlte 2000-mal, ist sie allerdings bloss ärgerlich.


Halt: Superman kann nicht fliegen. Überflüssig sind Warnhinweise meistens. Manchmal sind sie komisch, oft nervig. Das Bundesamt für Gesundheit warnt vor der Sonnenfinsternis, die Empa vor explodierenden Boulekugeln, das ZDF vor vereisten Windkraftanlagen. Im Manual zu einem faltbaren Kinderwagen ist zu lesen, dass man das Kind vor dem Zusammenklappen herausnehmen muss. Auf einer Dose Pfefferspray steht, dass man den Inhalt nicht ins eigene Gesicht sprühen soll. Auf einem Superman-Kostüm ist aufgedruckt, dass man mit diesem Kleidungsstück nicht fliegen kann.


Vorsicht: 1. August. Warnungen vermehren sich wie Gesetze. Eigentlich gibt es zu viele. Trotzdem kommen immer neue dazu. Gut so. Denn unser Alltag ist durch Gefahren bedroht, und längst nicht alle sind durch Hinweise entschärft. So fehlen etwa Vermerke auf den Socken. Dass nämlich einer der beiden Strümpfe unweigerlich verschwinden wird. Vermutlich aus paranormalen Gründen verreisen sie in eine Parallelwelt, in der wohl einoder dreibeinige Wesen leben. Astrophysiker erklären das Phänomen anders: schwarze Löcher für schwarze Socken. Gerade jetzt kurz vor dem 1. August sind Vermerke auf Raketen und Böllern nötig. Nein, nicht, dass die Dinger explosiv sind. Solche Infos hats ja wohl bereits. Sondern: «Achtung: Kriegsspielzeug. Kann dazu führen, dass ganze Strassenzüge wettrüsten.»


Halt: Freilichttheater. Ebenfalls momentan angesagt sind Warnungen auf den Tickets zu Freilichttheatern. «Vorsicht, kann Erkältungskrankheiten verursachen.» In Griechenland oder Sizilien sind solche Veranstaltungen o. k. Bei uns nicht. Auch wenn zurzeit das Wetter trotz Gewittern nicht allzu übellaunig ist: Die Schweiz ist keine Klimazone, in der man nachts stundenlang unbeweglich draussen auf Plastikstühlen oft peinliche Laiendarbietungen verfolgen kann. Der Berichterstatter hat beruflich viele Dutzend Vorstellungen besucht. Ja, es gab diese hilben Abende, wo der Mond hinter dem Hügel aufging. Ungefähr dreimal. Aber es gab vor allem diese Nächte, wo es regnete, windete, hagelte. Ungefähr hundertmal.

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