Berner Zeitung, 21. März 2017

Hasenpfote schlägt Elektronisches Stabilitätsprogramm

Am Sonntag ging der Genfer Automobilsalon zu Ende. Da konnte man sehen, was morgen in unseren Kisten alles drinsteckt. Damit wir sicher herumkurven, packen die Ingenieure Bremsassistenten rein, Abstandsregler, Spurhalter und irgendwas, das ESP oder BAS heisst. Bloss eines haben die Fachleute vergessen: ein vierblättriges Kleeblatt als Maskottchen am Innenspiegel. Gemäss Umfragen fühlen sich 43 Prozent der Westeuropäer sicherer, wenn so ein Ding die Sicht verdeckt.


Es ist die Sache mit dem Glauben und dem Aberglauben. Manche nehmen an, dass es hilft, wenn sie brav blinken, bremsen, weder die Sonnenbrille neben dem Bremspedal suchen noch sturzbetrunken durch die Gegend blochen. Andere vertrauen auf elektronisches Bremsmanagement oder Nachtsichtassistenten. Und schliesslich gibt es jene, die im Auto ein Hufeisen aufhängen. Gemäss der gleichen Umfrage betrachtet jeder fünfte dies als Beitrag zur Sicherheit. Allerdings, wichtig: Nur wenn das Ding mit der Öffnung nach oben hängt. Sonst fällt das Glück heraus.


Es ist auch die Sache mit der Wahrscheinlichkeit. Vor zwei Wochen hat in der Schweiz ein bisschen die Erde gebebt. Schäden gabs keine. Nun verkaufen die Versicherungen Policen, die Erdbebenfolgen abdecken. Bloss: Die Wahrscheinlichkeit, dass unser Häuschen im Bernbiet ernsthaft wackelt, ist minim. Etwa alle 10 bis 20 Jahre sind an exponierten Lagen Bagatellschäden möglich. Velofahren hingegen ist weit gefährlicher. Der durchschnittliche E-Bike-Fahrer erleidet nach 51/2 Jahren einen schweren Unfall, 3 Prozent der Verunglückten sterben. Trotzdem: Wir versichern unsere Häuser und stromern ohne Helm.


Und schliesslich ist es die Sache mit dem Wunder. Nächste Woche fliege ich nach Barcelona, Hamburg oder so. Mit Skywork, Swiss oder so. Im Flieger hat es ein Airborne Collision Avoidance System, ILS und Independent Recovery. Ich allerdings steige nur ein, wenn der Pilot eine Hasenpfote im Sack hat. Eine echte muss es sein, sonst nützt es nichts. Kein Chüngeli, keine von einem Stofftierchen. Mumpitz, werden der eine oder die andere jetzt sagen. Nein, alles sorgfältig erwogen. Der Beweis: Da gibt es diese Wunderbäume, Lufterfrischer fürs Auto. Anders als der Name uns weismachen will, bewirken sie keine Wunder. Sondern riechen bloss seltsam.


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