Berner Zeitung, 10. Januar 2017


Strassennamen für Promis sind gefährlich

Bern hat zwar einen Mani-Matter-Stutz, aber sonst nur wenig Strassennamen, die an Promis erinnern. Das ist gut so. Denn Berühmtheiten so zu bejubeln, ist gefährlich.


Weil Leichen im Keller auferstehen können. Tückisch sind die preisgünstigen Souvenirs, weil man nicht weiss, ob die Geehrten nicht doch Leichen im Keller hatten – Scheintote, die wieder lebendig werden und nun unangenehm riechen. Ulrich Wille, der Schweizer General im Ersten Weltkrieg, ist mancherorts in Strassenverzeichnissen vertreten. Unterdessen ist Wille umstritten. Er bewunderte den preussischen Kadavergehorsam und kritisierte die Demokratie.


Weil die Geehrten nicht mehr genehm sind. Immerhin hat sich Wille als Namensvetter gehalten. Andere Helden verloren ihr Podest. In St. Gallen gab es bis 2009 eine Krügerstrasse, zu Ehren des südafrikanischen Politikers Paul Kruger. Weil man dem 1904 Verstorbenen Rassismus vorwirft, mussten sich die Anwohner an eine neue Adresse gewöhnen, an die Dürrenmattstrasse. Im grenznahen deutschen Freiburg verliert der Philosoph Martin Heidegger wegen seiner Nähe zu den Nazis nächstens seinen Wegnamen.


Weil man Tattoos nur schwer wieder los wird. Es ist wie mit den Tätowierungen. Wer den Namen des jeweiligen Partners, der Partnerin, stechen lässt, bedenkt nicht, was passiert, wenn die Verbindung zerbricht: Die Erinnerungen verblassen, die Sticheleien (und Strassennamen) wird man nur mühsam wieder los.


Weil die Würdenträger vergessen sind. Viele einstige Honoratioren sind unterdessen zu Nobodys geworden. In Zürich gibt es einen Albert-Näf-Platz und einen Joachim-Hefti-Weg. Nur noch durchtrainierte Lokalhistoriker wissen, dass Näf der letzte Oerlikoner Bürgermeister und Hefti Kirchgemeindepräsident war.


Weil die Tafelflut überfordert. Besonders freigiebig ehrt Biel. Von der Adam-Friedrich-Molz-Gasse bis zum Wilhelm-Kutter-Weg haben 64 Würdenträger ein Plätzchen oder Strässchen. Auf jedem fünften Schild sind verflossene und oft vergessene Promis überliefert. In Bern sind es nur 14 Prozent, die vielen Burger-Tafeln mitgezählt.


Weil sich auch Berge erheben. In Zürich streikt unser Gedächtnis bei den Herren Näf und Hefti. In Biel kapituliert es vor der Schilderflut. Simple Gedenktafeln tuns auch. Die könnte man wieder losschrauben. Wenn Strassenschilder zu Altmetall werden, gibts Ärger. Das gilt auch für Berge. Das Agassizhorn erinnert an einen längst verstorbenen Forscher. Er soll Rassist gewesen sein. Nun fordern Correctnessfachkräfte als neue Bezeichnung den Namen eines Sklaven. Doch was, wenn auch dieser mal was Falsches gesagt, getan oder gedacht hat? Garantiert unverfänglich wären Grünhorn, Alphorn, Nashorn.

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