Berner Zeitung, 7.3.2016


Krieg der Prozente

Es fing harmlos an. Manor lancierte Anfang Jahr die übliche Ausverkaufsaktion: Jedes dritte Kleidungsstück war gratis.


Die VögeleAttacke. Dies löste bei Vögele-Schuhen standardmässig den 3-für-2-Reflex aus. Wer zwei Schuhe kaufte, Schuhe, nicht Paare, erhielt einen dritten. Als Rayonleiterin Trix Vollenwyder (Name geändert) dies als Unsinn bezeichnete, wurde sie entlassen. Später korrigierte die Direktion den Irrtum und sistierte die Aktion. Die Kündigung blieb bestehen.


Der CoopAngriff. Coop reagierte in der letzten Januarwoche mit dem Rabattalarm Stufe 2 (orange): 28 Prozent auf alle Papeterie-Artikel ohne Heftklammern. Loeb fühlte sich dadurch bedroht und nahm den Kampf auf: Kinderkleider minus 34 Prozent und zusätzlich drei goldene Loeb-Taler.


Der MediaMarktVorstoss. Für Media-Markt war dies am 1. Februar das Signal zum Angriff. Der Discounter startete die Aktion «Simsen statt bumsen». Wer drei Handys orderte, bekam zwei HD-Homecinema-Beamer zum halben Preis.


Der MigrosAnsturm. Jetzt brach der Zweikampf der Giganten los. Migros brachte seine Rabattkanonen, Coop die Aktionshaubitzen in Stellung. Coop lancierte vor einem Monat «Passa Kassa». Jeder dritte Kunde bezahlte bloss noch das, was er wollte. Migros verrechnete die Prozente nach dem Alter der Käufer und gewährte so viele Cumuluspunkte, wie man tragen konnte.


Der DorfladenRückzug. Die Schlacht zwang die beiden Riesen zwar nicht in die Knie, zeigte aber Kollateralschaden. In Diemerswil schloss der Dorfladen. In Mirchel wich Mitte Februar die Bäckerei einem Nail-Studio.


Der C&A-Durchbruch. Als Erstes brachte C&A vor zwei Wochen den Negativpreis ins Spiel, den Rabatt über mehr als 100 Prozent. Statt dass man die Ware mit Geld bezahlte, bekam man Geld. Wenn der Kunde ein T-Shirt erstand, erhielt er 75 Rappen. Bei grösseren Mengen gewährte C&A Mengenzuschlag: Für 10 T-Shirts gab es 10.50.


Die PampersFinte. Am vergangenen Freitag eskalierte der Streit. Vor der Berner Filiale einer bekannten Ladenkette zerrte ein Schlägertrupp wehrlose Rentner ins Innere. Dort füllte das Personal die Einkaufswagen der Senioren mit Negativpreisartikeln, vor allem mit Babywindeln. Das brachte den Betagten zwar einen willkommenen Zusatzverdienst, stellte sie aber vor kaum lösbare Entsorgungsprobleme.


Der K.o. Schlag. Heute Nachmittag wird der Rabattkrieg seine bisher heisseste Phase erreichen. Dem Vernehmen nach sollen die letzten verbliebenen Kunden mit K.-o.-Tropfen bewusstlos gemacht und in die leeren Einkaufszentren verschleppt werden.


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