Berner Zeitung, 18.4.2016


Schmuddel-Staaten haben Protz-Flaggen


Jedes Jahr beurteilt Transparency International, wie korrupt Länder sind. Die Schweiz schneidet gut ab. Am besten stand letztes Jahr Dänemark da. Unser Land belegt auf dieser Liste mit 167 Namen den 7. Rang.


Flaggen gucken statt Ranking. Die internationale Non-Profit-Organisation erstellt dieses Schmiergeldranking anhand eines ausgeklügelten Rasters. Sie könnte sich diese Arbeit sparen. Und stattdessen die Flaggen anschauen. Nämlich: Korrupte Länder garnieren ihre Fahnen mit Firlefanz. Saubere Staaten begnügen sich mit simplen Kennzeichen.


Saubere Länder haben schlichte Fahnen. Unter den Vorzeigestaaten auf den 20 vordersten Rängen bescheiden sich die meisten, nämlich 13, mit Minimaldesign. Darunter fällt Japan mit seinem roten Rundumeli. Andere haben wie zum Beispiel die Schweiz oder die skandinavischen Länder ein schlichtes Kreuz. Weitere beschränken sich wie Deutschland, Frankreich oder Holland auf simple Balken. Aus der Reihe der bubileicht zu zeichnenden Flaggen fallen nur 7 Staaten: die USA, Hongkong, Singapur, Kanada, England, Neuseeland und Australien.


Schmiergeldstaaten haben Firlefanz. Jetzt schwenken wir um und schauen, was die 20 Staaten am Schluss der Rangliste zu bieten haben. Klar: schmutzige Hände, unsaubere Beamte, dreckige Geschäfte. Und: gepimpte Flaggen. Bloss 5 Länder sind mit simplen Trikoloren oder einem schlichten Stern zufrieden. Bei allen 15 übrigen Ländern herrscht Flaggenkitsch.


Zweige, Kränze. 7 von diesen 15 Staaten beschränken sich auf einen vergleichsweise milden Flaggenbarock und streuen bloss ein paar Sterne, Zweige oder Kränze auf ihre Fahnen. Zu den Ländern mit erträglichem Flaggenplunder gehört auch das unerträgliche Nordkorea (Platz 167 in der Schmuddelrangliste): Diktator Kim Jong-un begnügt sich mit drei Streifen und einem Stern.


Sterne, Vögel. Bei den restlichen 8 Staaten schlägt dann allerdings der nationale Pomp unbarmherzig zu. Usbekistan (Rang 153) schmückt sich mit einem Halbmond und zwölf Sternen. Zimbabwe (Platz 150) fällt mit sieben Streifen, einem Stern und einem Vogel auf.

 

Tempel, Teppiche. Kambodscha (151) protzt mit der stilisierten Abbildung des Tempels Angkor Wat. Der absonderliche Staat Turkmenistan (154) verwirrt mit einer ebenso absonderlichen Fahne: fünf Sterne, Halbmond und, tatsächlich, fünf Teppichmuster. Die ehemalige Sowjetrepublik in Zentralasien hat damit wohl das komplizierteste Kennzeichen der Welt. Doch die Konkurrenz um die protzigsten Symbole ist gross.


Messer, Palmen. Auf der Fahne von Haiti (158) sind ein Schiff, eine Palme und sechs Speere zu sehen. Der Irak (161) belehrt uns mit arabischen Schriftzeichen, dass Gott am grössten ist. Angola (163) erschreckt mit einem Messer, dazu ein Stern und ein halbes Zahnrad. Afghanistan (166) gibt sich so viel Mühe, dass der Betrachter den Überblick verliert: Ährenkranz, mehrere Texte, Säulen und ein paar kleine Flägglein.


Fahnen sind Fassaden. Wenn Flaggen Glanz und Gloria versprechen, ist das Staatsgebäude meist marode.


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