Berner Zeitung, 10.2.2014


Nachgelegt: Nicht nur rassistisch, sondern auch blasphemisch


Leider hat es nicht geklappt. Die Witze in der letzten Kolumne haben mir keine Rassismusklage eingebracht. Schade. Oder doch nicht. Sie waren nicht wirklich gut. Eine Klage wegen schlechter Witze ist nur halb so viel wert. Höchstens. Drum lege ich einen Witz nach, der wirklich lustig ist und hoffentlich als rassistisch gilt.


Eigentlich hätten die Zehn Gebote ja durchaus auf einer einzigen Gesetzestafel Platz. Warum nur sind sie überall auf zwei Tafeln abgebildet? Das war so: Nachdem sich Gott die Zehn Gebote ausgedacht hat, fragt er die Völker, ob sie sie haben wollen. Zuerst die Deutschen. «Was steht denn drin?», möchten diese wissen. «Du sollst nicht töten», antwortet Gott. «Nein, danke», rufen die Deutschen. Dann die Franzosen. Als sie hören, dass man nicht ehebrechen darf, sagen sie: «Non, merci.» Nun geht Gott zu den Rumänen. Als diese vernehmen, dass stehlen verboten ist, winken sie ab. Schliesslich erkundigt er sich bei den Juden. «Was sollen sie denn kosten?», fragen die. «Wieso? Gar nichts», antwortet Er. Darauf die Juden: «Dann nehmen wir zwei.»


Lustig, nicht? Und schön unkorrekt. Zudem nicht nur rassistisch, sondern auch blasphemisch. Aber es wird wohl trotzdem nicht zu einer publizitätsfördernden Klage reichen. Denn die Geschichte ist von Harry Rowohlt, Übersetzer, Autor, Schauspieler. Mit Preisen überhäuft und erst noch schwer krank. Und damit unangreifbar. Immerhin ist er alt, 68, und passt deshalb in diese Kolumne. So wirds halt wieder nichts mit der juristischen Unterstützung für den publizistischen Raketenstart.


Aber die Laufbahn ist sowieso zu Ende. In Harry Rowohlts und meinem Alter gibts nur noch einen Aufstieg – den ins Jenseits. Die beiden Karrieren ähneln sich. Der damals, vor dreissig Jahren, erhoffte berufliche Gump gleicht dem jetzt im Alter erhofften transzendentalen Start. Schon damals, mit 37, verhiess der Aufstieg den Sprung ins gelobte Land, wo alles anders, alles besser sein sollte. Kein nörgelnder Chef, keine Geldsorgen. Als Ersatzvision leuchtet nun im Alter stattdessen das Paradies. Dort ist alles anders, alles besser. Und ganz sicher kein nörgelnder Chef. Dummerweise waren und sind die Chancen damals wie heute gleich mies: Es gab keinen Aufstieg, es gibt kein Paradies.


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