Berner Zeitung, 28.1.2013

 

Für 28 800 Franken bekomme ich einen Doktortitel

 

Indira Lütolf ist gestolpert. Die Universitären Psychiatrischen Dienste des Kantons Bern haben die Leiterin des Qualitätsmanagements entlassen. Weil sie mit falschen Doktortiteln akademische Würden vortäuschte. So eine Doktorarbeit gibt viel zu tun. Aber man kann die mühsame Arbeit vermeiden. Mit Abschreiben, mit Beziehungen, mit Geld. Der frühere deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und andere Polit-VIPs haben sich für eine solche Abkürzung entschieden.

 

Die Direttissima steht nicht nur den Promis offen. Ein Doktor honoris causa ist auch für Normalsterbliche möglich. Für mich zum Beispiel. Die Würde ist erschwinglich. Sie kostet gleich viel wie ein mittleres Auto. Und ist mit wenig Aufwand zu erlangen. Durch Eberhard Bräun in Kreuzlingen. Er ist Inhaber der Firma Bräun Consult und nach eigenen Angaben Repräsentant mehrerer Universitäten.

 

Er vermittelt akademische Grade: Doktor ehrenhalber, Professor ehrenhalber. Bei ihm habe ich mich als Rentner gemeldet, der seine Laufbahn mit einem Ehrendoktor krönen will. Dass ich überdies Journalist bin, habe ich nicht erwähnt – sonst hätte ich wohl keine Zusage erhalten. Diese kam bereits am nächsten Tag. Mit allen Details. 28 800 Franken kostet der Doktorhut, die Hälfte zahlbar im Voraus, der Rest bei der Übergabe der Dokumente.

 

Welche Uni mich ungesehen als würdig erachtet, erwähnt Bräun nicht direkt. Bloss wenig Recherche genügte, um festzustellen, dass es eine Universität in Kirgisien ist. Als Nächstes muss ich nun bloss meinen Lebenslauf und später die Kopie eines Personalausweises einschicken. Mir als zukünftigem Doktor vertraut man.

 

Der Wissenschaftliche Rat der Universität prüfe meine Angaben, schreibt Bräun. Auf was sich das Gremium in Zentralasien dabei stützt, bleibt unklar. Und ist wohl auch nicht wichtig. Die Zusage kommt eh. Nach ein bis zwei Monaten sei es so weit, versichert der Vermittler. Ich bekomme die Urkunde am Sitz der Universität in einer Feierstunde durch den Herrn Rektor persönlich. Will ich bloss die Ehre und habe ich keine Lust auf die weite Reise, kann ich auch daheim bleiben. Das Papier wird mir per Post zugestellt.

 

Der Preis sei verhandelbar, lässt Eberhard Bräun durchblicken. Das beruhigt. Der Honoris-causa-Händler argumentiert nämlich, dass sich die akademische Würde auszahlt. «Die Halter eines Doktorgrades haben meist ein sehr gutes Einkommen», schreibt er. Als Rentner bleibt mir dieser Mehrwert versagt. Ein Seniorenrabatt ist also durchaus angebracht.

 

Möglicherweise gibt es neben dieser AHV-Ermässigung auch noch Mengenrabatt. Der Titelvermarkter zeichnet selbst als Prof. h.c. Dr. h.c. mult. Eberhard Bräun.