Berner Zeitung, 9.7.12012

 

Auch Tiere altern. Aber viel schöner


Johanna musste eine neue Stelle suchen. Johanns wegen. Johann ist sehr alt, 21. Und ein Kater. Er hat verschiedene Beschwerden und braucht fünfmal täglich Medikamente. An ihrem früheren Arbeitsort konnte Johanna nicht dermassen häufig zu Johann eilen. Jetzt ist das Büsi wohlversorgt. Und Frauchen glücklich.

Jeder zweite Hund ist pensioniert. Nicht nur wir Menschen werden immer älter, sondern auch unsere Haustiere. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat deutsche Zahlen veröffentlicht, die wohl auch für die Schweiz gelten. Berücksichtigt man die überlieferte Regel, wonach ein Hund siebenmal schneller altert als sein Besitzer, ist die Hälfte aller Hunde im Rentenalter. Vor 50 Jahren waren es bloss 20 Prozent.

Jedes zwanzigste Büsi ist ein Greis. Je nach Rasse altern die Vierbeiner allerdings sehr unterschiedlich. √úberzüchtete Hunde vergreisen schon mit 6, ihre naturbelassenen Kollegen können mit 15 noch fit und munter sein.

 

Wenn Katzen den Autoverkehr überstehen, werden sie meist älter als
Hunde. Die Statistiker schätzen, dass 4 bis 5 Prozent unserer Büsi über 20 Jahre alt und damit hochbetagt sind. Vor einem halben Jahrhundert waren es nur 0,2 Prozent.

Moderne Medizin hilft Bläss und Schnurrli. Früher schafften die Halter ihre gebrechlichen Hausgenossen einfach ab. Heute sind alte Tiere für alte Menschen Lebenspartner, die so lange wie medizinisch möglich gepflegt und versorgt werden. Die Tierärztin Mirjam Binkert von der Berner Kleintierpraxis Elfenau bestätigt dies. Von ihr stammt auch das Beispiel von Johanna und Johann (beide Namen geändert). Die Veterinärmedizinerin berichtet überdies von Wasserlaufbändern für Hunde, eine Art Aquafit, damit betagte Vierbeiner weiterhin mobil bleiben.

Zügeln, um Barry zu retten. Ein anderer hiesiger Tierarzt, der
allerdings nicht namentlich erwähnt werden will, erzählt von einer Frau, die ihre schöne, günstige Wohnung in der Berner Altstadt aufgab. Das neue Logis ist weit teurer, hat aber einen Lift. Sie zügelte, weil es ihrem alten Bernhardiner immer schlechter gelang, den zweiten Stock zu erklimmen. Und sie schaffte es nicht mehr, den schweren Hundegreis die Treppen hochzustemmen.

Keine Runzeln, keine Falten. Alte Hunde und Katzen leiden unter den
gleichen Gebresten wie wir. Ja, ja, auch Inkontinenz. Doch sie altern
schöner. Wir hatten eine Katze. Änneli starb mit 22. Abgesehen von einem etwas unvorteilhaften Schwabbelbauch sah sie bis in dieses biblische Alter durchaus präsentabel aus. Kuscheliges Fell und Haare, wohin man blickte. Ach, wenn wir Menschen doch nur Katzen wären.